Und dann hört man 10 Jahre später wieder diesen Song – Die Geschichte eines Ohrwurms

Irgendwann vor Ewigkeiten als ich noch zur Schule ging fand bei uns ein einwöchiger Schüleraustausch mit einer italienischen Schule in Florenz statt. Der Einfachheit halber gehen wir jetzt mal davon aus, dass das 10 Jahre her war; ich war also irgendwas zwischen 17 und 18 Jahren alt. Ich wurde bei einer Familie irgendwo außerhalb Florenz‘ untergebracht; ich meine mich zu erinnern, dass meine Austauschschülerin Giulia hieß. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall waren unsere Austauschpartner alle schon volljährig und meistens in Besitz eigener Autos in denen sie uns breit und nicht ohne vorher den Hitlergruß zu zeigen in irgendwelche Großraumdiskos karrten, in denen ich mich mit Long Island Iced Tea (für 6,50€!) betrank.

Und auf den lächerlich riskant und unter Einfluss cannabinoider Substanzen durchgeführten Fahrten zu den Deppendiskos der Region lief immer wieder diese eine CD; es muss sowas wie die Bravo Hits Italiens gewesen sein. Darauf war unter anderem Caparezzas ‚Fuori dal Tunnel‘ zu hören, welches mir neulich wieder in Erinnerung gerufen wurde, als ich Nilzenburgers ‚Endlich gute Musik‘ las (das ist natürlich ein Partnerlink und ihr kauft euch das Buch jetzt). Er behauptet nämlich darin, dass er der einzige Mensch in Deutschland sei, der das Lied kennt und mag und ich bin der lebendige Gegenbeweis weil ich das Lied kenne und mag und momentan in der Bundesrepublik Deutschland befindlich bin und vielleicht schrieb er das so niemals aber ich habe ein schlechtes Gedächtnis und übertreibe vielleicht ein wenig und oh mein Gott gönnt euch wie lang dieser Satz ist.

Auf jeden Fall ging Fuori dal Tunnel ziemlich schnell in den Kopf und da man auch als Nichtitaliener die Lyrics zumindest erahnen kann, war es nicht so wirklich schwer für mich, Interpret und Titel auch in Deutschland noch im Kopf zu haben.

Anders war es aber bei einem Track der ebenfalls auf der CD war. Die Melodie habe ich seit der Woche in Italien nie vergessen; auch nicht dass der Song so klingt, als sängen dort afrikanische Frauen; allerdings sind das Anhaltspunkte, welche nicht wirklich zum Wiederfinden eines Songs geeignet sind. Klar, ich hätte allen möglichen Leuten die Melodie mit der Hoffnung sie würden das Lied erkennen vorsingen können, allerdings singe ich in etwa so gut, wie ein Vogone dichtet.

Das heißt ich hatte alle paar Monate über 10 Jahre mal einen Ohrwurm von der Melodie dieses Songs aber konnte ihn nie außerhalb meines Kopfes hören. Das klingt dramatisch. Und das ist es auch. Aber hört!, ich habe ihn gefunden.

Und zwar fuhr ich am Donnerstag mit einigen wunderbaren Menschen in Richtung Nordosten zum Immergut Festival in Neustrelitz (auf dem ich u.a. Mozes and the Firstborn sah; die solltet ihr euch unbedingt anhören), und irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern hörten wir irgendeinen berliner Radiosender auf dem irgendwann diese eine Melodie die so klingt als sei sie von afrikanischen Frauen gesungen zu hören war. Es war nicht genau der Track den ich suchte, aber zumindest der Refrain wurde gesamplet. Ich bat meinen Beifahrer, sein Name ist Janni und er ist ein Guter, irgendwie rauszufinden, wie der Song heißt der da gerade gespielt wird. Da aber das mobile Internet auf Autofahrten und speziell in MVP (oder auch Meck-Pomm, wie der Deutsche viel zu gerne sagt) nicht wirklich so gut funktioniert, bestand spontan keine Möglichkeit an den Namen des Songs zu kommen.

Fuck.

Aber zum Glück gibt es Radiomoderatoren, die auch nach dem Ende des Tracks sagen, mit was sie die landstraßenfahrenden Niedersachsenjungs (und das mitfahrende MVP-Mädchen) gerade beschallt haben. Irgendwas von Klangkarussell. Na; das kann man sich ja wenigstens merken. Zum Glück gibt es gut funktionierende Suchmaschinen (THANK YOU COMPUTER SCIENCE!), und manchmal auch Seiten auf denen man rausfinden kann, wer was wo von wem samplete. Und das tat ich gerade auch.

Der am Donnerstag gehörte Track ist ‚Netzwerk (Falls like Rain)‘ von Klangkarussell und gefällt mir heute beim zweiten mal hören besser als am Donnerstag. Das Sample, das ich meine stammt aus Salif Keitas ‚Madan‘, welches Martin Solveig mal remixte. Von diesem Remix bin ich mir sehr sicher, dass er genau der Track ist, den ich vor 10 Jahren hinten in einem viel zu kleinen Auto dessen Fahrer den ein oder anderen Joint rauchte und fuhr wie jemand der sehr schnell und riskant fährt sitzend hörte und der seit dem in meinem Kopf ist.

Und vielleicht ja gleich auch in eurem.

~ THE END ~

P.S.
Bei Gelegenheit erzähle ich euch vielleicht mal die Geschichte, wie Giulia in Deutschland war und ich meinem Buddy Marvin sein Bett und seinen Pullover mit Vodka-Fischauflauf vollkotzte. Sorry, Marv.

Bonus:

Mozes and the Firstborn – Bloodsucker